*piep piep*
Mein Handy fliegt auf den Boden … *%§#%&*# … so ein Mist. Ich hänge mich kopfüber vom Sofa und suche darunter nach meinem Handy.
Nervös nestel ich an dem Hightech-Gerät herum und werfe es fast erneut auf den Boden.
Endlich schaffe ich es die Tastensperre zu lösen und den Ordner der eingegangenen SMS zu öffnen. Die Absendernummer kenne ich nicht. Mir läuft es warm und kalt über den Rücken. Ist die SMS etwa von ihr? Von der unbekannten Hübschen aus dem Steuermann?
Ich atme einmal tief ein und aus bevor ich die SMS öffne.
Hallo Timo, vielen Dank für Deine SMS! Natürlich verrate ich Dir meinen Namen. Meine Eltern haben mich Martina getauft. Liebe Grüße.
Ich lese die SMS ein zweites, ein drittes Mal. Martina … Soll ich ihr antworten? Soll ich mit meiner Antwort erst noch warten? Ich will schließlich nicht aufdringlich wirken, aber sie soll auch nicht den Eindruck bekommen, dass sie mir egal wäre. Naja, aber mit der Tür ins Haus fallen wollte ich auch nicht.
Also erstmal ein bisschen abwarten.
Ich gehe in die Küche und koche mir einen Tee. Während mein Heißgetränk noch zieht durchsuche ich meinen Kühlschrank nach einem Snack. Hm, ein Teller Eintopf von gestern, ne, später, Aufschnitt und Käse, ach ne, Brote zu schmieren ist mir jetzt zu aufwendig. Ich ziehe den Sahnebecher aus dem Kühlschrank und schließe die Tür. Auf der Arbeitsplatte steht noch ein Stück Brownie von gestern. Mit dem Ende meines Teelöffels bohre ich ein Loch in den Kuchen und gieße etwas Sahne hinein. Hmmm, lecker, …
Ich wandere mit meinem Tee und meinem Kuchen zurück ins Wohnzimmer und verbrenne mir am ersten Schluck Tee die Zunge. Autsch. Während ich mir den Kuchen genüsslich auf der (verbrühten) Zunge zergehen lasse überlege ich was ich Martina schreiben könnte.
Jetzt oder nie … wenn ich noch länger darüber nachdenke, dann wirds auch nicht besser.
Hallo Martina, bist Du oft im Steuermann? Was machst Du denn so, wenn Du mal nicht mit Deinen Freundinnen unterwegs bist?LG Timo
Jetzt heißt es abwarten. Ich lege mein Handy zur Seite und trinke vorsichtig meinen heißen Tee.
*piep piep*
So schnell habe ich nicht mit einer Antwort gerechnet.
Hej Timo, oft würde ich nicht sagen, eher ab und zu. Ich arbeite als Dozent an einer Schule für medizinische Berufe. Und Du?LG Martina
Medizinische Berufe? Muß ich dann etwa mein Handy vor ihr verstecken? Bestimmt kennt sie die Röntgenfunktion schon, die gibts ja auch für anderen Handys, glaub ich.
Auf jeden Fall antworte ich direkt mal, wenn sie so schnell schreibt, dann wird es ja wohl kein Problem sein, wenn ich auch sofort antworte.
Ich bin Personal Trainer. Hast Du Lust auf nen Tee/Kaffee?
Hoffentlich war das jetzt nicht zu direkt …
Ich zappe ein bisschen im TV, um diese Uhrzeit läuft allerdings nichts vernünftiges. “So lebe ich” … *zapp* “Richterin Alexandra” (in der drölfzehnten Wiederholung) … *zapp* … Musik … *zapp* … “112, da werden sie geholfen” … *zapp* … “Zoom TV” … dabei bleibe ich hängen, wenigstens eine Dokumentation, besser als der Rest.
*piep piep*
Als ich zum Handy greife stoße ich es wieder mal vom Tisch und angle es vom Boden.
Schnell öffne ich die SMS.
Klar, komm vorbei, ich unterrichte gerade in der Rettungswache in Defihausen. Kennst Du die? Hoffe, für Dich ists nicht zu weit. Habe da gleich eine relativ lange Pause. Schaffst Du es in 30min?
Ich fasse es nicht. Jetzt bekomme ich ein Date mit meiner Traumfrau und dann muß ich nicht mal weit fahren. Natürlich kenne ich die Rettungswache! Hatte ich ihr noch gar nicht gesagt wo ich wohne? Stimmt, das hatte ich vergessen. Macht ja nichts.
Ok, ich habe eine halbe Stunde Zeit. Jetzt muß ein Plan her. Also, ich muß noch duschen, mir passende Klamotten raussuchen, die Stoppel sollte ich auch mal aus meinem Gesicht entfernen, Zähne putzen wäre auch nicht schlecht.
Ich stürme ins Badezimmer, schnappe mir meine Zahnbürste und stelle die Dusche an. Als das Wasser heiß ist bin ich mit meiner Mundhygiene fertig und springe in die Duschkabine. In einem Mordstempo shampooniere und schäume ich mich ein, dusche mich ab und wickle mich in mein Handtuch. Nachdem ich mir die Stoppel aus dem Gesicht rasiert habe trockne ich die letzten Tropfen von meinem Körper und laufe in meinen Kleiderschrank. T-Shirt, Hosen, Pullover, Hemden, … fliegen durch die Gegend bis ich das passende gefunden habe. Ich entscheide mich für meine Lieblingsjeans und dazu ein legeres Hemd.
Jetzt fehlt nur noch ein dezentes Parfüm. Ich lege einen leichten, aber männlichen Duft auf.
Oh, jetzt wirds knapp, ich habe nur noch zehn Minuten. Ich schlüpfe in meine Trekkingschuhe und fahre los.
Pünktlich parke ich an der Rettungswache.
Martina steht mit einer Kaffeetasse in einem Hallentor und wartet, dass ich hinein komme. Wir begrüßen uns freundlich, aber zurückhaltend.
Im Aufenthaltsraum ist ganz schön was los. Alle begrüßen mich und ich bekomme einen Tee.
Wir setzen uns zu den anderen in den Wachraum und wie sollte es anders sein, da passiert es. *knarrknartschrumms*
Der Stuhl zerbricht unter mir und ich schlage unsanft mit meiner Schulter auf den Boden.
Schmerzen schießen mir in die Schulter und ich kann mir einen kurzen Aufschrei nicht verkneifen. Ich setze mich auf einen anderen Stuhl und hoffe, dass dieser nicht auch noch zerbricht. Martina schaut sich meine Schulter an und erklärt, dass da auf jeden Fall etwas dran gemacht werden müsse. Das Gelenk würde nicht richtig sitzen. Die Wachbesatzung bot uns einen Schlafraum an, damit sie mich wieder gerade biegen kann. Nein, nein, keine falschen Gedanken hier! Die Schulter schmerzt wirklich!
Martina führt mich in einen Schlafraum und während sie die Tür hinter sich schließt hören wir, dass die gesamte Rettungswache alarmiert wird. Irgend ein großer Einsatz, mit allen Fahrzeugen.
Bevor ich mich auf ein Bett lege hilft mir Martina aus meinem Hemd (alleine komme ich da nicht mehr raus, wirklich nicht!). Während ich auf dem Bauch liege kniet sie sich neben mich und malträtiert meine Schulter. Im nächsten Moment knackt es laut, schmerzt einmal richtig heftig, anschließend wird es aber besser.
Eigentlich möchte ich jetzt noch nicht aufstehen. Ich möchte viel lieber Martinas Nähe genießen.
Als hätte sie meine Gedanken gelesen beginnt sie vorsichtig meine “kaputte” Schulter zu massieren. Das fühlt sich gut an! Sie erweitert die Massage auf eine komplette Rückenmassage und ich genieße jede einzelne Berührung. Gefühlte zwanzig Minuten kann ich mich so entspannen bevor ich spüre wie sie seitlich so weit mit ihren Händen streichelt bis sie mit den Fingerspitzen meinen Bauch berührt.
Ich beiße mir auf die Zunge um nicht leise zu stöhnen.
Wenn ich jetzt noch länger so liegen bleibe und ihre Hände genieße, dann kann ich für nichts mehr garantieren. Ich drehe mich auf die Seite und setze mich langsam auf. Ich schaue Martina tief in die Augen und ziehe sie sanft zu mir herüber. Ihre Lippen fühlen sich wunderbar auf meinen an. Kann mich mal jemand kneifen? Träume ich das etwa?
Nein, ich träume nicht. Als wir die Hallentore hören gehen wir zurück in den Aufenthaltsraum und kochen frischen Kaffee.
Leider ist ihre Pause nun vorbei und ihr Unterricht geht weiter.
Niemand hat etwas von unseren geheimen Küssen mitbekommen und so soll es auch erstmal bleiben.
Ich fahre nach Hause, setze mich wieder vor das langweilige TV-Programm und schreibe Martina eine SMS mit meiner Adresse. Vielleicht kommt sie ja später vorbei!?